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Mehr fühlen als andere - was heißt das eigentlich?

So langsam kommt viel Bewegung in das Thema Hochsensibilität. Es macht immer mehr die Runde

und wird bekannter.

 

Trotzdem sind meine persönlichen Erfahrungen, dass ich durch meine Sensitivität oftmals andere "nerve".

Andere können oftmals mich und meine Gedanken nicht nachvollziehen oder verstehen.

 

Was heißt das eigentlich, wenn man sagt, dass es Menschen gibt, die "mehr" fühlen?

 

Dafür habe ich Dir einige Beispiele mitgebracht.

Bist Du auch nah am Wasser gebaut?

Menschen, die nah am Wasser gebaut sind, gibt es viele. Sie müssen deshalb nicht zwangsläufig hochsensibel sein. Und doch ist das typisch für sie. Ich kann ohne Weiteres Rotz und Wasser heulen, wenn ich einen Film sehe in dem das Thema und die Protagonisten mich stark berühren.

 

Ich sage mir manchmal: "Mensch, das ist doch nur ein Film...!" Hilft aber nichts. In mir wurden Gefühle angetriggert, ich kann mich in die Situation sehr gut hineinversetzen und schon kullern die Tränen. Früher habe ich sie oft unterdrückt, weil ich mich dafür schämte. 

 

Eine hohe Empathiefähigkeit, wird gerade Hochsensiblen nachgesagt. 

Hörst Du auch die Stecknadel fallen?

Man sagt z. B., dass jemand das Gras wachsen hört, wenn diese Person extrem empfindsam ist. Bei manchen ist der auditive Kanal besonders ausgeprägt. Sie hören einige Geräusche extrem gut. 

 

Das kann allerdings dazu führen, dass Geräusche, die sie nerven und stören sie schlecht ausblenden können.

Mir hat man z. B. oft schon empfohlen, ich solle doch einfach darüber hinweghören. Dann nämlich, wenn z. B.

am Nachbartisch jemand sehr laut redet und mein Gespräch mit meinem Gegenüber dadurch gestört wird.

 

Ich bin dann so bei dieser Person, dass ich mich nicht mehr auf mein Gespräch konzentrieren kann. Das Gute ist, dass Du das tatsächlich lernen kannst, bei Dir zu bleiben. So geschult, wie Dein Ohr auch ist, kannst Du lernen, etwas auszublenden, was Dich sonst aus der Bahn und Deiner Konzentration werfen würde.

Wenn Dir manchmal einfach alles zu viel zu viel wird

Oh ja, das kenne ich sehr gut! Manchmal merke ich das recht schnell, manchmal braut sich erst etwas zusammen. Dann reichts mir aber so richtig. Ich bin dann mega gestresst, weil ich das Gefühl habe, dass

einfach nichts mehr geht.

 

Egal ob es am Geräuschpegel liegt, daran, dass zu viele Menschen um Dich herum sind, oder zu viele Lichtreflexe Dir noch den Rest geben. Halt, das Handy gehört in der heutigen Zeit noch dazu. Wenn Du in diversen WhatsApp Gruppen bist, oder auf gefühlt allen Social-Media Kanälen zuhause bist, kommt auch

darüber einiges zusammen, was Dir zu viel werden kann.

 

Das macht nicht nur viel Stress, sondern nimmt Dir auch viel Energie. Dann hilft am besten Rückzug und Ruhe.

Siehst Du bei anderen, wie sie sich fühlen, ohne es zu sagen?

Früher waren diese Antennen bei mir besonders ausgeprägt. Heute achte ich nicht mehr so sehr darauf und bleibe ganz bei mir. Das rate ich Dir übrigens auch. Kümmere Dich mehr darum, was Du gerade brauchst. 

 

Das, was Du im Außen wahrnimmst, ist ohnehin ein Spiegel Deines Inneren. Diese unausgesprochenen "Botschaften" kannst Du gut nutzen. In dem Du Dich zurückziehst, nachfragt, ob Dein Gegenüber etwas braucht oder Du Deine Hilfe anbietest.

 

Deine Hilfe darf aber nicht darin ausarten, dass Du Dich selbst dabei vergisst. Du darfst zu allererst auf Dich selbst achten. Wenn es Dir nicht gut geht, hilfst Du niemandem. Wenn Du siehst, dass vermeintlich etwas mit Dir zu tun hat, ist diese frühe Aufmerksamkeit Deinem Gegenüber nicht immer angenehm.

 

Es könnte sein, dass die Person selbst noch gar nicht registriert hat, was Du schon wahrgenommen hast. Damit Du kein abwehrendes Verhalten kassierst, würde ich mich zurückhalten - es sei denn, dass es Dir sehr wichtig ist.

Du überrascht andere mit Deinen vielschichtigen Gedankengängen

"Boah, Du machst Dir aber Gedanken!" Das habe ich schon öfter gehört. Für mich ist ganz normal, dass ich etwas abwäge, durchdenke (Vor- und Nachteile, Für und Wider) und meine Gedanken mitteile, damit möglichst alles perfekt läuft.

 

Eine Bekannte von mir, die offensichtlich noch nicht weiß, dass sie hochsensibel ist, hat an sich, dass sie ihrem Besuch die Fahrroute oder die Bahnverbindungen genaustens aufgibt. Das hat bei den meistens ein Schmunzeln verursacht, aber für sie selbst ist das völlig normal.

 

Details sind Dir wichtig? Du siehst Vieles, was andere nicht sehen oder erkennen? Du machst Dir über vieles einen Kopf? Das ist recht typisch für Hochsensible. 

Wer "mehr fühlt" braucht auch mehr Ruhe

Der Ausgleich für reichhaltiges Fühlen ist die Ruhe, Stille. Darüber können Hochsensible am besten in die Balance kommen. Denn Dysbalance wirst Du merken:

 

Konzentrationsstörungen

Gereitztheit

Unsicherheit

Schlafstörungen

innere Unruhe 

und längerfristig reagiert Dein Körper mit Krankeit (Erkältung, Magen- Darmproblemen u. a.) und

hohem Energieverlust= Schlappheit, Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit.

 

Aus diesem Grund ist der richtige Arbeitsplatz und die passenden Aufgaben ein zentraler Punkt in meinem Coaching. Resilienz und Ressourcenstärkung gehören natürlich auch dazu. Doch am Ende steht:

 

"Wer stärker fühlt, hat mehr vom Leben!" (Buchtitel: Kathrin Sohst)