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3 verblüffende Erkenntnisse zur Hochsensibilität

Hochsensibilität ist eine "Wesensart", die viele Facetten beinhaltet. Und doch gibt bis jetzt keine anerkannten Kriterien zur objektiven Messung von Hochsensibilität. Obwohl in den Medien viel über Hochsensibilität zu finden ist und es eine Anzahl Bücher darüber gibt, ist Hochsensibilität noch nicht ausreichend erforscht.  

 

Das hat mich verblüfft, zumal Hochsensibilität schon 1997 durch die amerikanische Psychologin Elaine N. Aron bekannt wurde. 24 Jahre ist Hochsensibilität verbreitet, ohne dass es vertiefende Forschungsergebnisse gibt!

 

Verblüffend fand ich aber auch noch zwei weitere Fakten, die den wenigsten bekannt sind. Doch Fakt ist: ca. 80% der Hochsensiblen wissen gar nicht, dass sie hochsensibel sind. Deshalb ist es mir ein Anliegen, diese Erkenntnisse bekannter zu machen. 

1. Erkenntnis: Hochsensibilität ist noch gar nicht ausreichend erforscht

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, eine "Wesensart", die viele Facetten beinhaltet. Und doch gibt bis jetzt keine anerkannten Kriterien zur objektiven Messung von Hochsensibilität. "Der Forschungsbedarf ist auch sonst groß", sagt Dr. Sandra Konrad, die an der Helmut-Schmidt-Universität über Hochsensibilität forscht.

 

Hochsensibilität beruht bisher ausschließlich auf Selbst­zuschreibungen – anhand von Fragebogen. Einzelne MRI-Studien zeigen zwar eine stärkere Aktivierung im Gehirn von Menschen, die gemäß Fragebogen als hochsensibel gelten.

 

Im Vordergrund stehen folgende offenen Fragen im Vordergrund: eine grund­legende Theorie der Hochsensibilität, ein normierter Fragebogen und biologische Marker zur Identifikation von Hochsensibilität sowie die Klärung der Rolle von Genetik und Epigenetik im Zusammenhang mit Hochsensibilität. (Quelle: hsu.-hamburg.de)

 

Mich hat diese Tatsache verblüfft. Die Hochsensibilität ist bereits seit 1997 durch die amerikanische Psychotherapeutin Elaine N. Aron bekannt. Seit 24 Jahren spricht man über Hochsensibilität, ohne, dass man heute detailliertere Forschungsergebnisse darüber nachweisen kann.

2. Erkenntnis: Hochsensibilität ist eine Veranlagung - oder doch nicht?

Da sind sich Wissenschaft und Psychologie nicht ganz einig. In der Psychologie ist man der Meinung, dass Hochsensibilität durch Traumata entsteht. Wie wenig ist bekannt darüber, wie sich eine anstrengend emotionale Schwangerschaft im Bezug auf Hochsensibilität auswirkt? Vor allem auch, wenn die Säuglings- und Kinderzeit von einer mangelnden Bindungserfahrung geprägt war.

 

Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass eine Veranlagung zur erhöhten Sensibilität vererbt wird. Wenn aber ein "frühkindliches Trauma" vorliegt, erklärt sich eine erhöhte Sensibilität dadurch.   

 

Es ist nachgewiesen, dass elterliche Ängste oder starke emotionale Schwankungen bereits auf das Kind im Mutterleib, aber auch nachgeburtlich und in den prägenden Folgejahren eine nachhaltige Wirkung ausüben. Wenn eine (werdende) Mutter zu viel Stress hat, so gibt sie die Stressanfälligkeit an ihr Kind weiter. Das Stressverarbeitungssystem gestaltet sich also nicht primär aus den ursprünglichen Genen, sondern die Gene verändern sich im Hirn des Kindes durch die Gemütslage der Mutter.

 

Die Interaktionen mit der wichtigsten Bezugsperson prägen das Wesen des Menschen. Mit anderen Worten:

Das Entscheidende ist nicht, welche Gene wir haben, sondern welche von ihnen durch Bezugsperson und atmosphärisches Umfeld aktiviert werden. Das lehrt uns die moderne Neurowissenschaft. (Quelle: beziehungsweise-magazin.de)

3. Erkenntnis: Es gibt auch extrovertierte Hochsensible

Größtenteils geht man davon aus, dass schüchterne, introvertierte Menschen hochsensibel sind. Doch es gibt ca. 30% extrovertierte Hochsensible, über die man aber sehr wenig in Büchern findet. Extrovertierte Hochsensible zeichnen sich z. B. durch ihre starke Impulskraft aus.

 

Dennoch haben sie auch den introvertierten Anteil in sich (ambivertiert). Und das nutzen beider Anteile, bedeutet, dass sie teilweise stark zwischen introvertiertem oder extrovertierten Verhalten hin und her switschen. In einer Situation, bei der die Nutzung des "richtigen" Kanals wichtig ist, macht das Erfolg oder Misserfolg aus.

 

Sie haben vielleicht den Vorteil, dass sie mit ihrer extrovertierten Art etwas anpassungsfähiger sind. Und deren Akkus halten länger. Ihnen macht es wenig aus, in Menschenmassen zu sein oder verdauen viele Eindrücke, die auf sie einstürmen besser. Trotzdem ist auch hier der Wunsch nach Rückzug immer wieder gegeben.

 

Wenn Du davon ausgehst, dass ca. 80% nicht wissen, dass sie hochsensibel sind, ist der Anteil, der Extrovertierten wahrscheinlich recht hoch. Denn die Mehrheit denkt, dass Hochsensibilität etwas typisches für Introvertierte, schüchterne Menschen ist.

Mir hilft die Erkenntnis hochsensibel zu sein enorm und ordnet Manches ein

Ich mag Schubladen nicht, doch zu wissen, dass ich hochsensibel bin hat mir wirklich weitergeholfen. Manches erklärt sich im Nachhinein, oder, wie Sören Kierkegaard sagt: "Das Leben kann nur in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden."

 

Ich sehe klare Vorteile in den Persönlichkeitsmerkmalen, sie sind ein Stück weit aber auch herausfordernd. Und 

für die Umwelt oft nicht verständlich. So gelingt es mir nach wie vor z. B. weniger gut, einfach auf Durchzug zu schalten, wenn jemand mein eigenes Gespräch durch seine laute Unterhaltung mit jemandem stört. "Hör doch einfach drüber weg..." hilft mir tatsächlich nicht. Das kann wahrscheinlich besser jemand verstehen, der selbst hochsensibel ist. 

 

Selbst wenn Du zunehmend mehr über Hochsensibilität weißt - jeder hat seine ganz eigene "Art". Von daher kann es gut sein, dass Du noch längst nicht alle Facetten kennst. Ich finde es jedenfalls besonders erfüllend, mit Hochsensiblen zu arbeiten, um Ihnen den Weg durch die Arbeitswelt zu erleichtern. Und auch in diesem Bereich bringe ich zahlreiche eigene Erfahrungen mit.