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Neulich hatte ich lang und breit ne Diskussion darüber...

 

ob es besser ist und Sinn macht, sich als "hochsensibel" zu outen. Manchmal und da musste ich ihr Recht geben, kann sich Dein Gegenüber besser auf Dich einstellen. Auch das Verständnis könnte größer werden. Könnte...!

 

"Mir ist zu anstrengend, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen" meinte sie. Ja, warum denn eigentlich nicht?

Was spricht denn dagegen, auf seine Worte zu achten? 

 

Manch Hochsensible:r ist sehr verletzlich und "mimosenhaft". Das ist so, muss aber nicht bei jedem so sein. Zu verstehen, dass jeder seine "Eigenart" hat, finde ich wichtig. Deshalb oute ich mich mittlerweile dort, wo mir es wichtig erscheint. Apropos Wort auf die Goldwaage legen: Da habe ich noch ein Wörtchen drüber zu sagen.

Worte können wie Küsse schmecken - oder unangenehme Trigger sein

Ich glaube, dass jeder gerne schöne Worte hört. Doch sind sie immer echt und ehrlich? Haben wir nicht gut gelernt, mit Worten umzugehen - vor allem, wenn wir etwas Bestimmtes wollen?

 

Doch manche Worte "triggern" unangenehme Gedanken und Gefühle an. 

 

Banale Beispiele wie:

  • Steuererklärung
  • Zahnarzt
  • Diät

Je nachdem wen Du da vor Dir hast, geht bei dieser Person und dem bestimmten Wort die Post ab. Ich hab z. B. unangenehme Gefühle beim Wort Steuererklärung. Da spüre ich sofort einen Druck, Abwehr, ja sogar Ekel. Und das sind ganz normale Beispiele. Aber eben nicht für jeden.

 

Wenn ich jemanden kennen lerne, probiere ich aus, ob wir die gleiche Wellenlänge haben. Haben wir sie, traue ich mich, noch offener zu sein. Ich finde aber auch nicht schlimm, sollte ich mal daneben liegen, mich zu entschuldigen. Ich kann austeilen, aber auch einstecken.

Ein "richtig" oder "falsch" gibt es nicht

Ein richtig oder falsch gibt es nicht, ob Du Dich als hochsensibel outen sollst.

So, wie wir alle verschieden sind, gibt es kein richtig oder falsch, wenn es darum geht, sich als hochsensibel zu outen.

 

Meine Erfahrungen reichen von interessierten Nachfragen und Verständnis, bis hin zu (innerem) Augenverdrehen und auf Abstand gehen.

 

Geht's darum, dass Dich jeder mögen muss? Sicher nicht.

 

Jemand, der sich verständnisvoll und zugewandt zeigt, passt bestimmt besser zu Dir, als Diejenigen, die Dir zeigen, dass Du mit Deiner Art nervig bist.

 

Im Coaching habe ich den Eindruck, dass es sehr richtig ist, mich zu outen. Ich kann meine eigenen Erlebnisse schildern und so mancher fühlt sich allein dadurch mehr angenommen.

Auf das WIE kommt es an!

Willst Du Dich im Job outen, lass Dich nicht stigmatisieren!

 

Vermeide den Stempel "nicht belastbar" oder "überempfindlich" zu bekommen. Dir kann man genauso viel zutrauen, wie jedem anderen auch. Du weißt, dass so viel mehr dahinter steckt!

 

Achte darauf, dass Du Dich nicht als jemand hinstellen lässt, der nach außen etwas "Besonders" sein will. 

Du bist eine Persönlichkeit, die über mehr Empfindlichkeit als andere verfügt. Trotz hoher Empathiefähigkeit,

kann auch Dir als Hochsensible:r passieren, dass Du jemanden verletzt. Du bist ja auch nur Mensch.

 

Ich habe mit z. B. dieser Erklärung gute Erfahrung gemacht:

 

"Ich habe eine höhere Reizschwelle als andere, weshalb ich auf Geräusche, Lärm und Gerüche z. B. stärker reagiere. In andere kann ich mich gut hineinversetzen, weil ich sehr empathisch bin. Ich bin an komplexen Inhalten und Zusammenhängen interessiert, weil ich Vieles hinterfrage und offen dafür bin. Mag sein, dass ich auch verletzlicher als andere bin. Eine solche Persönlichkeit wird als "hochsensibel" bezeichnet, was ca. 15-20% der Menschen betrifft. Dass ich so bin, hat seine Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist unter anderem, dass ich mir durch die stärkere Reizaufnahme, mein Gehirn aktiver ist und ich Dinge aufnehme, die anderen gar nicht auffallen. Ein Nachteil : Eine Reizüberflutung muss ich erstmal verarbeiten und ziehe mich aus dem Grund auch gerne mal zurück."  

 

Taste Dich langsam heran. Gehe mit Informationen über Dich selbst sorgsam um. Du brauchst mit der Erklärung über Deine Hochsensibilität nicht "inflationär" umgehen. Was aber auch so ist: Menschen stecken nun mal gerne in Schubladen. Dem kannst Du entgegenwirken.

 

Hochsensibilität ist weder eine Krankheit noch ist die Psyche eines Hochsensiblen angeknackst. Du bist halt anders. Aber jeder Mensch hat seine "Eigenart".  

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss...

Ich kenne inzwischen schon etliche hochsensible Menschen, woraufhin ich sogar die 15-20% anzweifele, die es (nur) geben soll. Doch diese Fehler vermeide:

 

Fehler 1: Dass Du Dein gewonnenes Wissen auf ALLE Hochsensiblen anwendest.

Fehler 2: Dass Du Denjenigen wie ein rohes Ei behandelst.

Fehler 3: Dass Du Hochsensible als eine besondere Spezies Mensch betrachtest.

 

Hochsensible sind nur anders - und das ist auch gut so. Denn durch ihr Wesen verfügen sie über spezielle und geniale Fähigkeiten. Gerade im Beruf können sie am passenden Arbeitsplatz viel bewirken. Du kannst genauso Karriere machen und Erfolg haben, wie jede:r andere auch.

 

Deine Hochsensibilität macht's Dir gerade in Deinem Job so schwierig? Lass uns doch mal austauschen!