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Fast wäre ich zur Walkerin geworden...

Ich bin ein Mensch, der sich gerne bewegt. Aber die absolute Spaziergängerin oder Wanderin bin ich nicht so unbedingt. Ich hatte eine Lebensphase, in der ich fast zur "Walkerin" geworden wäre. Denn ich habe etliche Kilometer zu Fuß zurückgelegt. Nicht ganz freiwillig, wenn ich ehrlich bin.

 

Das, was ich Dir erzählen will, ist eine sehr persönliche Geschichte. Aus einer Zeit, in der ich noch nichts von Therapie oder Coaching wusste. Und wer weiß, vielleicht helfe ich ja gerade Dir damit ein bisschen weiter und kann Dir Mut machen. Das würde mich freuen.

Man sagt Schüchternen nach, dass sie "zurückhaltend" sind - wie wahr...

Du musst wissen, von Haus aus bin ich echt schüchtern. Als kleines Kind versteckte ich mich oft oder hing am Rockzipfel meiner Mutter. Der "liebe Weihnachtsmann" z. B. war für mich einfach nur unheimlich und machte mir total Angst. Und noch mit 17 war ich nicht in der Lage ein schlichtes Danke auszusprechen. Besonders wenn ich emotional berührt war, war mein Mund wie zugeklebt.

 

Meine Schüchternheit hat mich lange begleitet. Länger als mir lieb war, weil das so Vieles schwieriger machte. So hielt ich meine Meinungen zurück, oder wenn mir etwas nicht gefiel. Ich setzte kaum Grenzen, denn dann hätte ich ja etwas sagen müssen. Die Angst war größer, ich stünde dadurch im Fokus oder, dass man mich dafür ablehnen würde. Also war ich nicht wirklich ich. Zu viel von mir wahr überhaupt nicht zu sehen.

Gefühle lassen sich nicht einfach verstecken oder übergehen

Früher habe ich - trotz Schüchternheit - nicht wirklich was über Emotionen, Gefühle, Stress und Stressauswirkungen gewusst. Als ich mit Anfang 20 in meinem Job Stress hatte und das Gefühl, dass ich damit nicht fertig werden würde, ging es mir zwar schlecht, doch ich änderte daran nichts.

 

Das erledigte dann eine plötzlich aufkommende Angst. Dann kam auch noch Panik dazu, als ich merkte, dass es nicht bei einem Mal nicht blieb. Die Angst- und Panikattacken wurden stärker und kamen öfter. Sie beeinträchtigten mein Leben enorm. Doch typischerweise vermied ich Situationen: Ich stieg aus der U-Bahn, aus Bussen oder ging gar nicht erst in Geschäfte zum Einkaufen. Manchmal schaffte ich das zwar trotzdem, aber schon beim Aufstehen dachte ich nur an meine Angst und wie der Tag werden wohl würde.

 

Ich schämte mich total dafür, fühlte mich elend und sehr schwach. Am Liebsten wollte ich mich verstecken. Vor allem dann, wenn man mir ansah, dass es mir nicht gut geht: Ich war meistens leichenblass, extrem unruhig und manchmal standen mir Schweißperlen auf der Stirn. Die Blicke der Menschen um mich herum waren in solch Momenten einfach unerträglich. Doch meinen Gefühlen konnte ich weder ausweichen noch sie übergehen.

Unterdrückte Gefühle suchen sich Wege...

Was ich auch versuchte, es half erstmal nichts. Da konnte ich auch noch viele kilometerlange Märsche hinter mich bringen. Das brachte mich nicht einen Zentimeter weiter. Jetzt spürte ich neben meiner Angst und Panik auch noch Wut. Ich war außer mir, denn was zum Teufel sollte das mit der Angst? Womit hatte ich sie verdient?

 

Heute weiß ich, dass Angst und Panik mehrere Ursachen haben können, vielfach aber in Stresssituationen hochkommen. Die Gründe müssen Dir nicht überhaupt nicht bewusst sein, Und genau das ist die Krux. Ich konnte mir das alles nicht erklären - außer, dass ich sehr gestresst war in dieser Phase meines Lebens. Hätte mein Stress meine Aufmerksamkeit bekommen ohne die Angst und Panik? Das ist noch die Frage. 

Was dann aber doch den entscheidenden Wendepunkt gab

Gott sei dank gab es meine Wut. Sie sorgte dafür, dass ich anfing nicht länger zu vermeiden. Ich feierte jede Haltestelle, die ich nicht ausstieg. Auch U-Bahnfahrten wurden zunehmend entspannter. Die Wut brachte mich dazu, dass ich mutiger wurde. Ich wurde auch gegenüber den erstaunten und neugierigen Blicken anderer Leute mutiger. Denn ich konnte ihren Blicken einfach länger standhalten.

 

Das Wichtigste aber war: Ich sagte mir, dass ich das schaffen würde. Schaffen, mehrere Haltestellen zu überwinden und mein Ziele zu erreichen, ohne vorher abzubrechen. Die Wut in mir puschte mich und ich fing an zu mir zu stehen. Okay, dann war ich eben ein komischer Vogel, so what?!

 

Jeder noch so kleine Erfolg auf meinem Weg, die Angst in den Griff zu kriegen, wurde gefeiert. Ich befreite mich zusehends aus den Klauen von Angst und Panik. In dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einer sympathischen Frau, mit der ich ein ganz bestimmtes Interesse teilte: Buddhismus. Sie verriet mir eines Tages, womit sie zu kämpfen hatte: Angst und Panik! Wie das Leben doch manchmal spielt...

 

Trigger können noch nicht verdaute Erlebnisse und Gefühle (in meinem Fall Angst und Panik) wieder auslösen. Dadurch, dass ich bereits recht erfolgreich meine Schwierigkeiten im Griff hatte, konnte ich das umgehen. Ich blieb auf meinem Weg und festigte mich weiter. 

Nicht immer geht etwas so glimpflich aus

Mithilfe einer Therapie, die ich trotzdem machte, glätteten sich sämtliche Wellen und mein Leben entspannte sich. Den Job und den damit verbundenen Stress verließ ich einige Zeit später. Aber meine Angst ganz allein überwunden zu haben, machte mich stolz und ließ mich ein großes Stück wachsen.

 

Doch nicht immer geht so etwas so glimpflich aus. Denn manchmal gibt es tiefere, verzweigte Hintergründe. Und meistens haben sie mit der Kindheit zu tun. Denn Kindern fällt es sehr viel schwerer mit ihren Gefühlen klarzukommen. Erst Recht, wenn sie von ihnen regelrecht überschwemmt werden. Unbewusst entsteht daraus ein komplettes Verdrängen oder sie schneiden sich von ihren Gefühlen ab. 

 

Deshalb ist eine Therapie wichtig oder auch Coaching sehr hilfreich. Du kannst Deine Vergangenheit aufräumen, viel über Dich selbst lernen und daran wirklich wachsen. Ich kann es aus heutiger Sicht nur jedem empfehlen.

 

Solltest Du Fragen haben oder mal eine gratis Stressanalyse machen wollen - nur zu! Es sei denn, Du wolltest schon immer zur/zum Walker:in werden 🙂